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Quelle: Sportstiftung NRW

Steffi Nerius

1972, Weltmeisterin im Speerwerfen

Stirnbänder waren ihr Markenzeichen. Auch für den 18. August 2009 hatte sich die Speerwerferin Steffi Nerius passende Sprüche auf das Band drucken lassen: „Berlin macht Rabbatz“ oder „Ran an die Buletten!“ stand auf ihrer Stirn zu lesen, als sie sich im Finale der Weltmeisterschaften in der deutschen Hauptstadt den Sieg sicherte.

Weit hinaus und fest am Boden

Der Titel war die Krönung, markierte zugleich aber auch das selbst gewählte Ende ihrer Athletinnen-Karriere, die rund 30 Jahre vorher in Sassnitz auf Rügen begonnen hatte. Als Steffi die Medaille entgegennahm und in Berlin einen »Hollywood-Abschied« vor 82.000 Zuschauenden feierte, da waren die Weichen für ihr weiteres Leben längst gestellt. Wenige Wochen nach ihrem größten und letzten Triumph trat sie ihren Vollzeitjob als Trainerin beim TSV Bayer 04 Leverkusen an. Sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, das war noch nie ihre Art.

Leistungssport hat sich für mich immer wie ein Hobby angefühlt.

Biografie

1972
Geburt in Bergen auf Rügen am 1. Juli
1986
Kinder- und Jugendsportschule Rostock bis 1991
1987
3. Platz Kinder- und Jugendspartakiade
1990
5. Platz bei den letzten DDR-Meisterschaften
1991
3. Platz Junioreneuropameisterschaften, Wechsel von Rostock zum TSV Bayer 04 Leverkusen, Sportstudium bis 1998
1995
Sieg Europacup-Finale
2000
4. Platz Olympische Spiele in Sydney
2002
2. Platz Europameisterschaften in München, Teilzeitjob als Trainerin
2003
3. Platz Weltmeisterschaften in Saint-Denis
2004
2. Platz Olympische Spiele in Athen
2005
3. Platz Weltmeisterschaften in Helsinki
2006
Sieg Europameisterschaften in Göteborg
2007
3. Platz Weltmeisterschaften in Osaka
2008
4. Platz Olympische Spiele in Peking
2009
Sieg Weltmeisterschaften in Berlin, Wahl zur Sportlerin des Jahres 2009, Vollzeitstelle als Trainerin
2015
Leiterin des Sportinternats Leverkusen bis heute (Stand Januar 2024)
2020
Zweijähriges Studium zum Master of Business Administration

Rügen Foto: Susanna Gilbert

Die kleine begabte Rüganerin

Immer in Bewegung war die in Bergen auf Rügen geborene Steffi von Kindesbeinen an. Ihre Eltern, beide Sportlehrende, erkannten das Talent ihrer Tochter früh. »Ich komme von Rügen und habe da immer Steine ins Wasser geworfen – und zwar ganz weit«, pflegt die Ausnahmeathletin zu antworten, wenn sie nach ihren sportlichen Anfängen gefragt wird. Mit zehn Jahren schleuderte sie einen Ball 50 Meter weit, »und irgendwann hat man mir einen Speer in die Hand gedrückt«.

Als Schülerin spielte Steffi zunächst Volleyball und gewann mit der Mannschaft von Dynamo Sassnitz 1984 die DDR-Schülermeisterschaft. Doch eigentlich war sie zu klein für eine Karriere in dieser Art Ballsport. Also wurde die 12-Jährige in die Abteilung Leichtathletik geschickt. Hier war man zunächst ebenso skeptisch: »Was willst Du denn hier?«, wurde die damals gerade einmal 1,64 Meter große und mit 46 Kilo zu dünne Steffi beim ersten Training begrüßt. Die Zweifel legten sich schnell. Denn zunächst punktete sie mit Technik und ihrer außergewöhnlichen Schnelligkeit, später dann auch mit Kraft. Am Ende war sie mit 1,78 Metern zudem groß genug. Bis 1986 wurde sie in Sassnitz von Günter Piniak trainiert, danach in der Kinder- und Jugendsportschule Rostock aufgenommen. Zwei Jahre später bereits, mit 16 Jahren, erkämpfte sie sich den dritten Platz in ihrer Altersklasse bei der Kinder- und Jugendspartakiade der DDR.

Von Ost nach West

Nach der Wende wechselte sie nach Leverkusen zum TSV Bayer 04. Ihr Trainer hatte ihr geraten, einen Verein im Westen zu suchen, denn, so meinte er, »hier geht gerade alles den Bach runter«. Der Rat erwies sich als goldrichtig: Im Jahre 2000 schaffte Steffi den Durchbruch zur Weltspitze, als sie bei den Olympischen Spielen in Sydney den vierten Platz erreichte. Danach stand sie bei großen Wettkämpfen fast immer auf dem Podest, allerdings nie ganz oben. Aber das brachte sie nicht aus der Fassung. Erst 2006 konnte Steffi die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Göteborg, 2009 zu guter Letzt auch bei den Weltmeisterschaften in Berlin entgegennehmen.
Mit Talent allein kommt man nicht weit im Leistungssport. Das hat die Athletin früh gelernt. Disziplin, Zielstrebigkeit, klare Strukturen, ein fester Wille und gute Nerven sind ebenfalls notwendig. Und noch etwas zeichnet die Ausnahmesportlerin aus: Ihren Speer wusste sie hoch in die Lüfte zu schleudern, sie selbst aber hat die Bodenhaftung nie verloren.

Foto: George Herring Shaw
Foto: Andrea Bowinkelmann

Die Karriere nach dem Speerwurf

Selbst im größten Siegestaumel behielt sie das Ende ihrer Karriere stets im Blick.
Mit dem Umzug nach Leverkusen hatte sie bereits ein Sportstudium begonnen, später den Trainerschein erworben und 2022 auch noch ein Wirtschaftsstudium mit dem Master of Business Administration Sportmanagement abgeschlossen. »Trainerin wollte ich eigentlich nie werden«, erinnert sie sich. Doch dann suchte ihr Verein einen Coach im Behindertensport. Das reizte sie. Lange Zeit widmete sie sich dieser Aufgabe, doch mittlerweile hat sie die Tätigkeit weitgehend aufgegeben. Nur noch wenige Sportler:innen betreut sie noch, unter ihnen den 1988 geborenen Weltklasse-Paralympionik Markus Rehm. Seit 2015 leitet Steffi zusätzlich das Sportinternat in Leverkusen.
»Ich habe immer etwas neben dem Leistungssport gemacht«, erklärt die »Sportlerin des Jahres 2009« im Rückblick ihr entspanntes Auftreten bei Wettkämpfen. »Vielleicht war ich deshalb lockerer als andere.«

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