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Museum am Rothenbaum Hamburg/Markk (Foto: privat)

Elisabeth Krämer-Bannow

1874 –1945, Ethnologin

Südseeforscherin im Schatten ihres Mannes

Ethnologie war für Elisabeth Bannow ein Fremdwort, bis sie den Arzt und Ethnologen Augustin Krämer kennenlernte. Mit ihm würde sie die Welt sehen und statt, wie es ihr als Tochter aus bürgerlichem Haus in die Wiege gelegt worden war, ihr Leben als Hausfrau und Mutter verbringen. An Krämers Seite bereiste sie, allein unter Männern, die Südsee. Sie erforschte im Zeitraum von 1906 bis 1911 auf drei Reisen die indigenen Kulturen. Dabei nutzte sie ihren weiblichen Spielraum und untersuchte besonders Frauenthemen, die bis dahin kein Ethnologe erforscht hatte.

… denn ich bade wegen der Krokodile nicht gern alleine.

Biografie

1874
Elisabeth Bannow wird in Wismar geboren und wächst in Berlin auf, ihr Vater ist Chemiker
1904
Im Alter von 30 Jahren heiratet sie den Arzt und Forscher Augustin Krämer
1906
Gemeinsame Expedition auf die Palau-Inseln
1908
Gemeinsame Expedition nach Neumecklenburg (Neuirland)
1909
Gemeinsame Expedition auf die Karolinen
1911
Umzug von Berlin nach Stuttgart aufgrund der Anstellung ihres Ehemannes als Leiter des Linden-Museums
1911
Verleihung der Denkmünze des Hamburger Museums für Völkerkunde
1920
Einzige wissenschaftliche Veröffentlichung unter dem Namen Elisabeth Krämer-Bannow: »Bei kunstsinnigen Kannibalen in der Südsee«
1933
Krämer emeritiert mit 68 Jahren
1938
Erscheint der letzte der 23 Expeditionsbände, herausgegeben von dem Initiator der Expeditionen und Direktor des Hamburger Völkerkunde-Museums, Georg Thilenius, unter intensiver Mitarbeit Elisabeth Krämer-Bannows und ihrem Ehemann
1941
Augustin Krämer stirbt
1945
Elisabeth Krämer-Bannow folgt 71-jährig ihrem Mann ins Grab

Von der Hausfrau zur Ethnologin

Zwar kam Elisabeth 1874 in Wismar zur Welt, ihre Familie zog aber bald nach Berlin, weil ihr Vater als Chemiker eine Anstellung in einer der Fabriken gefunden hatte. Das Mädchen wurde perfekt auf die Rolle der Hausfrau, Hausleiterin und Mutter vorbereitet. Außerdem besaß Elisabeth ein außerordentliches Talent zum Zeichnen, das möglicherweise durch Unterricht gefördert wurde.Bemerkenswert spät, mit 30 Jahren, heiratete sie Augustin Krämer (1865 –1941).

Bereits davor soll sie ihre Abenteuerlust mit einem mehrmonatigen Aufenthalt auf Sri Lanka ausgelebt haben. Belegt ist eine erste Forschungsreise zwei Jahre nach ihrer Hochzeit. Ihr Ehemann hatte sich mit Vehemenz dafür eingesetzt, dass sie 1906 bei seiner Reise in den Südpazifik dabei sein konnte. Privat finanzierten sie die Fahrt auf einem Passagierschiff auf die Insel Matupit (heute Teil von Papua-Neuguinea). Elisabeth Krämer-Bannow musste alleine reisen, während alle anderen männlichen Expeditionsteilnehmer auf einem Marineschiff fuhren.

Bei der nächsten Expedition von 1908 bis 1910 übernahm Augustin Krämer die Leitung – aber nur unter der Bedingung, dass seine Ehefrau als Assistentin mitreisen dürfe. Ein Kollege sträubte sich, er wolle nicht an einer Schiffsexpedition teilnehmen, »deren Mitglied eine Dame ist.« Doch da wusste er noch nicht, dass Elisabeth ›ihren Mann stand‹.

Deutsche Kolonie in der Südsee

In der nur 34 Jahre währenden deutschen Kolonialzeit auf den ozeanischen Atollen – darunter Palau, Neumecklenburg und die Karolinen – wimmelte es nur so von deutschen Missionaren, Ingenieuren, Ethnologen und Farmern, die ihr Glück in der Ferne suchten. Die Bewohner:innen der Inseln lebten sowohl in traditionellen Dorfgemeinschaften als auch, durch die vielfältigen europäischen Eingriffe bereits »verwestlicht«, in modernen Gesellschaften.

Bewusst wählten die Ethnologen dieser Zeit nur Dorfgemeinschaften aus, die in traditioneller Weise lebten. Den Menschen hing noch der Ruf des Kannibalismus an. Das Essen von geringen Mengen des Fleisches ihrer Feinde hatte auch lange zu ihren Kriegshandlungen gehört. Aber um 1900 war Kannibalismus schon mindestens 100 Jahre Vergangenheit. Dennoch brachten die Kolonialherren den Begriff ›Menschenfresser‹ ständig mit den Inselbewohner:innen in Verbindung und nahmen sie als unbeugsam, widerspenstig wahr. Melanesier:innen wurde nachgesagt, sich nicht unterordnen zu wollen.

Museum am Rothenbaum Hamburg/Markk (Foto: privat)
Bei kunstsinnigen Kannibalen der Südsee/S.139 (Foto: spix)

Teilnehmende Beobachterin

Die durchweg männlichen Ethnologen dieser Zeit teilten den festen Glauben an die Überlegenheit der europäischen Kultur. Elisabeth war in der Hinsicht ein Kind ihrer Zeit. Das Ehepaar schlug nach beschwerlicher Ankunft in einem Dorf mit einer Selbstverständlichkeit in dem saubersten und schönsten Haus sein Nachtlager auf. Die Bewohner:innen mussten eben umziehen.
Andererseits legte sie eine absolute Offenheit den Südseekulturen und -menschen gegenüber an den Tag. Mit Leichtigkeit ließ sie sich darauf ein, Tänze und Flecht-Techniken zu erlernen, Tiere aufzuziehen, alle Speisen nicht nur zu kosten, sondern auch selbst zuzubereiten.

Als einzige Frau der Expeditionen ergaben sich die Arbeitsbereiche von selbst: In ihrer einzigen eigenen Veröffentlichung »Bei kunstsinnigen Kannibalen der Südsee« beschreibt sie die Rituale um Schwangerschaft, Geburt und Menstruation von Frauen des Dorfes Lamasong. Ein Bereich, den noch kein Ethnologe vor ihr erforscht hatte. Der Weg zu den argwöhnischen Einheimischen führte über ihr Zeichentalent. Tagelang hielt sie Gegenstände im Dorf auf Papier fest, bis die Mädchen und Frauen Kontakt mit ihr aufnahmen. Ihr Mut, ihre Kraft und robuste Gesundheit sowie ihre Beobachtungsgabe, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Geduld kamen ihr dabei zugute.

Lange Zeit blieb Elisabeth Pionierin: Erst rund 20 Jahre nach ihr, um 1925, trafen die ersten ausgebildeten Ethnologinnen in der Südsee-Region ein.

Hinter jedem erfolgreichen Mann …

1911 war das Paar endgültig nach Deutschland zurückgekehrt und arbeitete nun fortwährend an der wissenschaftlichen Veröffentlichung seiner Erlebnisse und Ergebnisse auf den ozeanischen Inseln, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr deutsche Kolonien waren.

Augustin Krämer legte eine vorbildliche akademische Laufbahn hin. Zunächst leitete er einige Jahre das Linden-Museum für Völkerkunde in Stuttgart, wo das Paar für die nächsten Jahrzehnte bis zu seinem Lebensende eine Heimat fand. Dann berief ihn die Universität Tübingen zum Dozenten für Völkerkunde, einige Jahre später bekam er die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen. Im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten, 1933, emeritierte der 68-jährige Krämer.

Elisabeth Krämer-Bannow stand dabei ganz im Schatten ihres Ehemanns. Sie half beim zeitraubenden Veröffentlichen der 23 Expeditionsbände. Dennoch war sie nicht nur treu sorgende Gefährtin und Karrierebegleiterin, sondern lieferte durch ihren beachtlichen Eigenanteil einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Frauengeschichte.

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